Februar 2021:

Unsere derzeitigen Fragen an die Bistumsleitung

(sobald wir Antworten bekommen, werden diese ergänzt)

Basis unserer Fragen sind u.a.:

(A) die "Ordnung für den Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger und schutz- und hilfebedürftiger Erwachsener durch Kleriker und sonstige Beschäftigte im kirchlichen Dienst", 2019 [Link zur Ordnung],

(B) die "Gemeinsame Erklärung über verbindliche Kriterien und Standards für eine unabhängige Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland des UBSKM und der DBK", 2020 [Link zur Erklärung]

(C) der Antrag auf Antrag auf Anerkennung des Leids [Link zum Antrag]

(D) ein verschriftliches Interview von katholisch.de mit Weihbischof Bongartz aus 2015 [Link zum Artikel]

Update: Die ersten sieben Fragen wurden am 14.02.2021 seitens des Bistums beantwortet. Frau Fischer, Leiterin des Bischöflichen Beraterstabs, schrieb uns. (Alle weiteren Fragen wurden bis zum 14.02. erst hier auf der HP und nicht in der Facebook-Gruppe der Initiative gestellt.)

  1. Wann startet das Berufungsverfahren für die Kommission und den Betroffenenbeirat?
    Wie sieht der aktuelle Zeitplan aus?

  2. Warum soll die Kommission (und damit auch der Beirat) auf Ebene der Metropolie unter der Federführung des Erzbistums Hamburg eingesetzt werden?
    Haben wir mit Blick auf die vielen Opfer, Täter und Taten nicht genügend Arbeit für eine eigene (ehrenamtliche!) Kommssion im Bistum Hildesheim?

  3. Wann wird die "Gemeinsame Erklärung des UBSKM und der DBK" im Bistum Hildesheim für verbindlich erklärt?

    Antwort des Bistums auf die Fragen 1 bis 3:
    "In den letzten Wochen fanden viele Gespräche zwischen den (Erz-)Bistümern statt, in denen man sich über das gemeinsame Vorgehen bei der Installierung der Aufarbeitungskommission und dem Berufungsverfahren abgestimmt hat. Die Texte für die Vereinbarung zum gemeinsamen Vorgehen beim Berufungsverfahren für den Betroffenenrat liegen nun zur Unterschrift vor. Es ist geplant, dass noch in diesem Monat (Februar 2021) der öffentliche Aufruf für das Bewerbungsverfahren stattfindet. Die Texte für das gemeinsame Vorgehen einer Aufarbeitungskommission befinden sich noch in der Abstimmung. Es ist geplant, dass die Aufarbeitungskommission sich konstituiert, wenn die Mandatierung der Mitglieder des Betroffenenrates stattgefunden hat. Eine Sitzung ohne die mandatierten Personen aus dem Betroffenenrat wird nicht stattfinden. Die Installierung der Aufarbeitungskommission auf Metropolieebene ist eine Entscheidung der Bischöfe gewesen. Die Entscheidung fußt auf der Überzeugung, in der Metropolie enger zusammenarbeiten zu wollen - auch im Themenbereich "sexualisierte Gewalt".
    Update 03.03.21:
    Noch ist kein Aufruf veröffentlicht worden
    . Jedoch findet sich auf der Homepage des Bistums Osnabrück eine Information über eine zusätzliche Kommission nach den Standards des UBSKM auf Bistumsebene. Die Einrichtung einer Kommission auf Metropolieebene wird dort mit der gemeinsamen Geschichte mit dem Erzbistum Hamburg begründet.
  4. Wann wird es unabhängige Anlaufstellen für Betroffene geben, die auch beim Antrag auf Anerkennung helfen können)?
    [vgl. Ordnung der DBK, 2019: 4. [...] soll mindestens eine nichtkirchliche Fachberatungsstelle als unabhängige Anlaufstelle benannt werden."]

    Antwort des Bistums auf die Frage 4:
    "In den letzten Tagen hat die Deutsche Bischofskonferenz einen Mustervertrag für die Kooperation mit unabhängigen Anlaufstellen versandt, die die betroffenen Personen beraten und begleiten sollen. Diese unabhängigen Anlaufstellen sind laut Mustervertrag nicht direkt in dem "Verfahren auf Anerkennung" vorgesehen. Die Konsequenzen dieses Mustervertrags werden im Moment überprüft."

  5. Wann wird den Betroffenen juristischer Beistand (z.B. hinsichtlich der Durchsetzung von Rechten) gewährt?

    Antwort des Bistums auf die Frage 5:
    "Die Leistungen in Anerkennung des Leids werden als freiwillige Leistungen und unabhängig von Rechtsansprüchen erbracht. Dies geschieht als Zeichen der institutionellen Mitverantwortung und zur Sicherstellung von Leistungen an Betroffene ohne eine gerichtliche Geltendmachung und insbesondere, wenn nach staatlichem Recht vorgesehene Ansprüche gegenüber dem Beschuldigten wegen Verjährung oder Tod nicht mehr geltend gemacht werden können. (aus: "Ordnung für das Verfahren zur Anerkennung des Leids") Während des Verfahrens stehen die beauftragten Ansprechpersonen des Bistums als Unterstützung den antragstellenden Personen zur Seite."

  6. Werden zukünftig alle ggf. betroffenen Gemeinden aktiv vom Bistum informiert, wenn Missbrauchstaten offenbar werden?

    Antwort des Bistums auf die Frage 6:
    "Bislang wurden die Pfarrgemeinden vom Bistum nicht informiert, wenn eine Meldung über einen Missbrauch vorlag. Inwieweit und zu welchem Zeitpunkt dies zukünftig möglich sein kann - auch im Sinne der konkret meldenden Person - ist Gegenstand der Überlegungen für die Weiterentwicklung des Berichtswesen."

  7. Wann wird der neue Bericht der eingesetzten Expertengruppe veröffentlicht?

    Antwort des Bistums auf die Frage 7:
    "Die Auswirkungen der Corona-Pandemie (Gespräch mit betroffenen Personen und Zeitzeugen; Schutz von Personen aus der Risikogruppe in der Expertengruppe) und die Menge an zu bearbeitenden Unterlagen hat den eigentlichen Veröffentlichungstermin der Expertengruppe verzögert. Im Moment erstellt die Expertengruppe einen internen Zeitplan, der im ersten Quartal dieses Jahres mit dem Bistum diskutiert werden soll."
    Nach unserern Informationen wird es erst im Spätsommer oder Herbst zu einer Veröffentlichung kommen.

  8. Erhalten zukünftig Gemeinden Einblick in die wesentlichen Teile der Priesterakte, wenn Priester (auch als Ruhestandsgeistliche) hinzuversetzt werden?

  9. Werden zukünftig auch Betroffene dem bischöflichen Beraterstab angehören?
    [vgl. Ordnung der DBK, 2019: 7. [...] Dem Beraterstab sollen auch von sexuellem Missbrauch Betroffene angehören."]

  10. Ist es vorgesehen, dass die Priesterakten der im Bistum tätigen (Ruhestands-)Priester auf Hinweise zu Taten/Veranlagungen durchgesehen und ggf. die Staatsanwaltschaften nach Anzeigen bzgl. verjährter Taten befragt werden?

  11. Wird den Opfern zukünftig qua Erlaubnis des Ortsordinarius Einblick in die (Priester-)Akte des Täters gewährt, auch wenn der Betreffende noch keine 40 Jahre tot ist?

  12. Werden bistumsseitig Täternetzwerke (auch hin zu Orden und anderen Bistümern) recherchiert und offengelegt?

  13. Ist vorgesehen, dass für jeden bekannten Täter eine Arbeitsgruppe wie in den Fällen Heinrich Maria J. und Georg M. eingesetzt wird?

  14. "Wir gehen in der Spur der Opfer" (WB Bongartz, 2015), d.h. die Opfer geben den Weg vor.
    Wann wird dies Realität?

  15. Informiert das Bistum aktiv die ihm bekannten Betroffenen über das neue Antragsverfahren auf Anerkennung des Leids (persönlich / medial)?

  16. Werden die Anträge auch offline zur Verfügung gestellt (ggf. verschickt)?

  17. Gibt es eine vereinfachte Leseform der Anträge (in einfacher Sprache)?

  18. Wie geht das Bistum mit Rückfragen der UKA um?